Neujahrsempfang der ASF

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Maskulismus zwischen Antifeminismus und Frauenhass

 

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen diskutierte zum Jahresauftakt am Mittwoch, 21.012015, über das Thema Maskulismus. Zu Gast war Robert Claus. Er stellte seine Studie „Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass“ vor, die er im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Er beschrieb, dass die Männerbewegung in den 60er Jahren entstand, parallel zum aufkommenden Feminismus. Eine Gruppe von Männern fand sich zusammen, um Feministinnen in ihren Forderungen zu unterstützen. Von dieser Männergruppe spaltete sich jedoch ein Teil ab, um dem Feminismus etwas entgegen zu setzen.  Claus beschreibt vier Strömungen der Männerbewegung: die anti-sexistische, die kritische, die mytho-poetisch und schließlich die maskulistische Strömung. Diese lehnt die Idee des Feminismus vehement ab und hebt das männliche Selbstbewusstsein hervor. Thematisiert wird vor allem die Unterdrückung von Männern.
Jeder kennt sie, die Aussagen, die auf von Lehrerinnen vermeintlich vernachlässigte Jungen, benachteiligte Väter oder Männer hinweisen, die mal wieder einen Job nicht bekommen haben, weil er an eine Frau ging. Dass diese Aussagen jedoch einem großen männlichen Opferdiskurs entstammen, ist wenigen klar. Claus hat auf einen Widerspruch hingewiesen, der die Doppelmoral der Maskulisten deutlich macht: Ungerechtigkeiten gegen Jungen und Männer wird von Maskulisten durchweg als sozialstrukturell wahrgenommen. Erleben dagegen Mädchen und Frauen Benachteiligung, seien diese auf individuelle Faktoren zurückzuführen. Die Frau ist also selbst Schuld. Der Mann, das Opfer. Der Geschlechterdiskurs wird von den Füßen auf den Kopf gestellt und bewusst umgedeutet, um alte patriarchale Strukturen zurück zu gewinnen, damit die Welt wieder in Ordnung ist. Früher war ja eh alles besser.

 

 
 

Der Hass auf Frauen ist unter Maskulisten sehr verbreitet. Frauen werden durch diskriminierende Begriffe abgewertet. Nach Ansicht der Maskulisten haben Frauen es im Leben leichter. Sie hätten ein „emotionales Matriarchat“ gegründet, das heißt, dass der gesamte Bereich der Familien- und Reproduktionsarbeit eine reine Frauensphäre sei und Männer dort keinen Platz haben. Das kann und muss man in beide Richtungen diskutieren, gerade wenn Frauen an den Herd gefesselt sind und ihnen andere Lebensbereiche verschlossen bleiben. Es scheint so, als würden die Maskulisten gern Alles haben, bzw. sich gern wieder alles zurück nehmen.
Interessant war für die anwesenden Frauen  vor allem der Aspekt, dass Männer häufig in Umbruchphasen, beispielsweise nach Scheidungen und  Kämpfen um das Sorgerecht, bei antifeministischen Beratungsstellen auftauchen und dort in ihrem Frauenhass bestärkt werden.

 
 

Obwohl die Zahl der Maskulisten nicht besonders groß ist, sind sie sehr auffällig und sichtbar in der Öffentlichkeit. Das liegt vor allem daran, dass sie im digitalen Bereich sehr aktiv sind. Die Kommentarspalten der Leitmedien sind ihr Spielplatz, dort können sie anonym gegen den vermeintlichen Genderwahn hetzen und die nimmersatten Frauen und die männlichen Frauenversteher in ihre Schranken weisen.
In der Diskussion haben die Frauen Verbindungen zu den stark männlich geprägten Mitgliedern von AfD und Pegida hergestellt. Gerade für die AfD ist die Abgrenzung vom Feminismus ihr drittes Standbein. Das wird nicht nur  dann deutlich, wenn Beatrix von Storch gegen „Genderideologie“  wettert, sondern auch wenn die Junge Alternative junge Frauen Schilder hochhalten lässt, auf denen alles andere als emanzipatorische Aussagen stehen, beispielsweise: „Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist“ oder auch „Ich bin keine Feministin, weil ich auch ohne Gender Eier in der Hose habe“. Diese Einstellungen stellen nicht nur Jahrzehnte frauenpolitischer Arbeit in Frage. Es besteht auch die Gefahr, dass aus der Noch-Minderheit eine Bewegung entsteht, die in die Parlamente einzieht und dadurch eine stärkere Stimme erhält.  Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, ihre Aussagen zu entlarven und ihre eigentlichen Ziele offen zu legen.
Es lohnt sich, Claus Studie zu lesen, um einen Einblick in die Sichtweise der maskulistischen Männerbewegung zu erhalten. Dafür braucht Frau allerdings starke Nerven.

 

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