Unisex – eine Frage der Toilettengestaltung?!

Unisex – eine Frage der Toilettengestaltung?!

Unisex – eine Frage der Toilettengestaltung?!

Ina Czyborra
 

von Dr. Ina Czyborra, MdA

Die Debatte über Unisex-Toiletten hat neben einigen Bezirken auch die Landesebene erfasst: Bei der jüngsten Plenarsitzung am 19. Februar 2015 hat das Abgeordnetenhaus den Senat aufgefordert zu prüfen, „in welchen öffentlichen Gebäuden, für die der Senat zuständig ist, bei Neu- oder Umbaumaßnahmen Unisextoiletten eingerichtet werden können und welche Kosten dabei entstehen“. Es soll genau erfasst werden, „welche bereits vorhandenen geschlechtergetrennten Toiletten in Unisextoiletten umgewandelt werden können, weil sie nur eine Toilette umfassen und somit keiner baulichen Veränderung bedürfen, sondern nur eines Wechsels der Beschilderung“. Dem Beschluss (PDF-Dokument) ging eine intensive Beratung voraus, deren Höhepunkt eine Anhörung (PDF-Dokument)im Ausschuss für Arbeit, Integration, Berufliche Bildung und Frauen war. Ausgangspunkt war der Antrag (PDF-Dokument) „Hürden im Alltag beseitigen – Unisextoiletten in öffentlichen Gebäuden einrichten“ der Piratenfraktion vom März 2014.

Wie viele Geschlechter gibt es eigentlich? Wie können wir die zwanghafte binäre Geschlechtercodierung überwinden? Und wollen wir das überhaupt? Alles Fragen, über die wir nicht unbedingt beim Gang zur Toilette nachdenken, die aber genau dann relevant sind. Das jedenfalls wurde bei den Wendungen der Antragsbefassung deutlich. Die Piratenfraktion hat in der Begründung auf die Situation von Trans*- und Inter*-Personen abgehoben. Geschlechtergetrennte Toiletten benachteiligten „Menschen, die sich entweder keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen können oder wollen oder aber einem Geschlecht, das sichtbar nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht“. Das „geschlechtsneutrale stille Örtchen“ würde ihnen den Alltag erleichtern. „Unisextoiletten erfordern keine Selbstkategorisierung in das binäre Geschlechtersystem für die Betroffenen. Zudem regen sie alle Besucher*innen öffentlicher Gebäude dazu an, über Geschlechtertrennungen im Alltag nachzudenken.“

Allerdings sollten die Unisextoiletten zusätzlich eingerichtet werden. Und damit habe ich ein Problem: Unsere Aufteilung der Toiletten in solche für Frauen und solche für Männer ist schon speziell. In vielen Ländern gibt es so etwas nicht und sind die Toiletten generell für alle gedacht und entsprechend gestaltet. Wir müssen nicht ein binäres System durch ein Trio ersetzen, sondern vielleicht ganz umdenken und das Konzept der Geschlechtertrennung aufgeben. Wickeltische in Frauentoiletten reproduzieren ein tradiertes Rollenbild, das Frauen und Männer festlegt – ob sie nun wollen oder nicht. Wickeltische in einem Toilettenraum, der allen offen steht, tun das nicht. Die Symbole für Frauen und Männer an der Toilettentür sind (ähnlich wie das Ampelmännchen) Klischees und spiegeln ein Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit, das es so längst nicht mehr gibt und vielleicht nie gegeben hat. Unisextoiletten brechen demnach für alle die Geschlechterstereotype auf und nicht nur für Trans*- und Inter*-Personen.

In der Anhörung wurde aber auch deutlich, dass Toiletten als Schutzräume erlebt werden. Das ist zu respektieren. Von einer „diskriminierungsfreien Toilettenbenutzung“ unabhängig vom Geschlecht und einer möglichen Behinderung war die Rede. Einzelne Teilnehmende befürchteten auch, dass Unisextoiletten zu Lasten von Frauen- oder Behindertentoiletten eingerichtet werden würden, so lange Männer auf Pissoirs bestehen. Angesichts der finanziellen Mittel bleibt letztlich nur der schrittweise Weg zu mehr „Design for all“. Deshalb will das Abgeordnetenhaus bei der Beschilderung anfangen und gibt langfristig bei Neu- und Umbauten Unisextoiletten den Vorzug.


 

 

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