Weibliche Genitalverstümmelung: Besuch des „Desert Flower Centers“

Weibliche Genitalverstümmelung: Besuch des „Desert Flower Centers“

ASF im Krankenhaus Waldfriede
 

„Alle elf Sekunden wird ein Mädchen durch die sogenannte rituelle Beschneidung der weiblichen Genitalien verstümmelt. Jeden Tag teilen 8.000 Mädchen dieses Schicksal. Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 150 Millionen Frauen und Mädchen beschnitten.“

www.krankenhaus-waldfriede.de

Das „Desert Flower Center“ im Krankenhaus Waldfriede (in Berlin Steglitz-Zehlendorf) bietet medizinische und psychosoziale Hilfe und Betreuung für von Genitalverstümmelung betroffene Frauen. Auch wenn das Problem für uns weit weg zu sein scheint, so leben in Deutschland nach Schätzungen von Terre des Femmes über 35.000 Mädchen und Frauen, die Opfer von Genitalverstümmelung geworden sind, ca. 6.000 Mädchen seien davon bedroht. Diese können im Desert Flower Center, dessen Schirmherrin Waris Dirie, ehemals Model und UN-Sonderbotschafterin ist, ganzheitliche Hilfe finden. Waris Dirie ist mit 5 Jahren selbst Opfer von Genitalverstümmelung geworden. Ihren Leidensweg hat sie u.a. in dem weltweit bekannten Roman „Wüstenblume“ verarbeitet.

Die ASF-Berlin hat das Center anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen besucht und im Gespräch mit den leitenden Ärztinnen und Ärzten einen Einblick in die Arbeit vor Ort erhalten. Als weibliche Genitalverstümmelung wird das vollständige oder teilweise Abschneiden und/oder schädigen des äußeren weiblichen Genitals bezeichnet. Es gibt verschiedene „Beweggründe“ für die weibliche Genitalverstümmelung. Sie reichen von der Tradition, der Religion, über medizinische Mythen hin zu ökonomischen Beweggründen. Weibliche Genitalverstümmelung ist aber vor allem eines: eine Menschenrechtsverletzung. Sie ist Ausdruck von Geringschätzung und Unterdrückung von Mädchen und Frauen. Die damit einhergehenden Risiken sind grausam: Jedes vierte Mädchen/jede vierte Frau stirbt während der Genitalverstümmelung oder an den direkten Folgen. Außerdem sind die Betroffenen traumatisiert, leiden nicht selten an Entzündungen im Genitalbereich, Inkontinenz, Fistelbildungen und müssen mit einem Schamgefühl leben, das sie in die gesellschaftliche Isolation treiben kann.

Das Leistungsspektrum des Desert Flower Centers reicht daher über die rein medizinische Versorgung hinaus. Es gibt zusätzlich eine psychosoziale Betreuung und Beratung und – das scheint besonders wichtig zu sein – eine Selbsthilfegruppe. Außerdem sind im Krankenhauspark 16 Tafeln aufgestellt worden, die über das Thema informieren und für Besuchergruppen öffentlich zugänglich sind.

 

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